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Dimensionierung und Gestaltung von Laufställen für behornte Milchkühe unter Berücksichtigung des Herdenmanagements

Schneider, Claudia (2010) Dimensionierung und Gestaltung von Laufställen für behornte Milchkühe unter Berücksichtigung des Herdenmanagements. PhD thesis, Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, D-Witzenhausen , Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung. .

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PDF - German/Deutsch (Dissertation)
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Summary

Die Haltung von Milchkühen in einem Laufstall hat sich aus arbeitswirtschaftlichen und Kostengründen stark verbreitet. Im Biolandbau wird diese Entwicklung vor allem aufgrund der höheren Tiergerechtheit dieser Haltungsform forciert. Gleichzeitig werden die allermeisten Kühe für die Laufstallhaltung jedoch enthornt, unter anderem weil sich in den üblichen Ställen mit Normmassen und –konzepten Probleme mit Verletzungen unter den Tieren ergaben. Dabei sprechen die Richtlinien und Verordnungen für biologisch wirtschaftende Betriebe deutlich gegen zootechnische Eingriffe. Das Ziel dieser Arbeit war deshalb, zu prüfen, welche stallbaulichen Voraussetzungen eine Haltung horntragender Kühe im Laufstall gelingen lassen und mit welchen Managementmassnahmen diese optimiert werden kann. Dazu wurde zum einen in einer experimentellen Untersuchung an vier Kuhgruppen im cross-over-Design geprüft, wie sich ein gegenüber der Norm erhöhtes Platzangebot in verschiedenen Stallbereichen (Wartebereich: Crowding vs. unbeengt, Tier:Fressplatz-Verhältnis: 1:1 vs. 1:1,25, Liegefläche: 4,5 vs. 8,0 m2/Kuh, Laufhofffläche: 0 vs. 4,5 vs. 9,0 m2/Kuh) auf das (Sozial-)Verhalten behornter Kühe auswirkt, insbesondere auf das Ausmass an agonistischen Interaktionen und auf die Anzahl der Läsionen am Integument der Kühe. Zum anderen wurde in einer Praxiserhebung in 62 zumindest teilweise behornten Milchviehherden untersucht, welche Beziehungen zwischen dem Auftreten von Verletzungen und den Dimensionen und der Gestaltung der Laufställe sowie dem Herdenmanagement, der Mensch-Tier-Beziehung und den Charakteristika der Herde bestehen. Zudem wurden durch Interviews die in der Praxis vorrangig bestehenden Probleme eruiert und die Erfahrungen der Landwirte zusammengetragen. Im Experiment traten im Wartebereich beim grösseren Platzangebot statistisch auffällig (p=0,068) weniger agonistische Interaktionen unter den Kühen auf, die Zahl der Verletzungen zeigte keinen Unterschied. Im Fressbereich hatte eine Erhöhung der Anzahl Fressplätze keinen Einfluss. Eine grössere Liegefläche/Kuh auf der Tiefstreu hatte jedoch statistisch auffällig weniger agonistische Interaktionen, eine Abnahme der Läsionszahlen sowie längere Liegezeiten und kürzere Stehzeiten (im Stall) pro Tag und damit gleichzeitig eine erhöhte Herdensynchronität zur Folge (p=0,068). Ebenso bewirkte ein erhöhtes Laufhofflächenangebot/Kuh eine geringere Häufigkeit an agonistischen Interaktionen, eine Abnahme der Läsionszahlen sowie erhöhte Aufenthaltsdauern im Laufhof (jeweils p=0,068). In der Praxiserhebung konnten aus 113 Faktoren über Vorselektionen mittels univariaten Analysen (ANOVA) und multivariaten Regressionsanalysen in zwei Modellen multivariate Regressionsanalysen gerechnet werden, um die erklärenden Faktoren für die Variation der Verletzungen durch Hörner zu finden. Modell I (alle Betriebe, ohne Faktoren des Liegebereiches (Liegeboxenfaktoren)) wies einen Erklärungswert R2 von 0,825 und eine Signifikanz von p < 0,001 auf, Modell II (Liegeboxenbetriebe, alle Faktoren) einen Erklärungswert R2 von 0,882 und eine Signifikanz von p < 0,001. Als signifikante erklärende Faktoren für wenige Verletzungen verblieben in diesen Modellen der Stalltyp inkl. der Gliederung der Funktionsbereiche (unverbaut und übersichtlich mit klar getrennten Bereichen), eine hohe Anzahl Viehbürsten, breite Laufflächen, keine Hindernisse im Laufbereich, wenige Mitarbeiter, ein hoher Anteil eigener in die Herde eingegliederter Tiere, wenige Eingliederungen in den letzten sechs Wochen, die Rasse Fleckvieh, keine einzelnen unbehornten Kühe in der Herde und ein geringes Verletzungspotential der Hörner. Aus der Erfahrung der Landwirte ist der Fressbereich der Hauptproblembereich. Aus den Ergebnissen lässt sich schlussfolgernd sagen, dass ein Laufstall mit grosszügiger, deutlich über der Norm liegender Dimensionierung der flächigen Stallbereiche (Wartebereich, Liegefläche und Laufhoffläche/Kuh) für behornte Kühe günstige Haltungsbedingungen bietet. Engstellen hingegen bergen Konfliktpotential. Bei der Stallkonzeption muss eine klare Gliederung der Funktionsbereiche angestrebt werden, wenn Auseinandersetzungen vermieden werden sollen. Ein Tier:Fressplatz-Verhältnis von 1:1 mit ein paar Reserveplätzen scheint ausreichend, allerdings muss auf ein wirklich horngeeignetes Fressgitter mit sicherer Fixierung besonderen Wert gelegt werden. Im Management der Herde muss das Augenmerk vor allem auf das Vorgehen bei der Eingliederung von Tieren in die Herde gelegt werden. Da Eingliederungen das soziale Gefüge der Herde ändern, lassen sich mit möglichst wenig Eingliederungen von möglichst bekannten, also eigenen Tieren Auseinandersetzungen mit Verletzungen vermeiden. Günstig ist zudem, wenn nur eine Person die Herde betreut. Eine nur symptomatische, aber sehr effektive Massnahme zur Verringerung der Verletzungszahlen ist das Senken der Verletzungsgefahr der Hörner durch Entfernen spitzer Hornspitzen.

Summary translation

Dairy cow husbandry in loose housing systems has become very common out of economic and ergonomic reasons. In organic agriculture this development is reinforced because of animal welfare reasons. However, most cows living in loose housing with standard dimensions and concepts are dehorned to prevent them from inflicting injuries to each other.
The rules for organic agriculture actually prohibit interventions like dehorning, but exceptions are possible. The aim of the present study was to investigate which preventive factors concerning design and dimensions of loose housing systems as well as management allow to keep cows with their horns without getting harmed.
As one part of this work effects of surplus space in different areas of the barn (waiting area:
with and without crowding; animal-feeding-place-ratios: 1:1 vs. 1:2.5; deep bedded free lying area: 4.5 vs. 8.0 m2/cow; outside yard: 0 vs. 4.5 vs. 9.0 m2/cow) were experimentally-investigated in four groups of cows using a cross-over-design. Dependent variables were the animals’ behaviour, especially agonistic behaviour, and skin lesions. As a second part a field study was carried out in 62 herds with (at least partly) horned dairy cows living in loose housing systems. Effects of system dimensions and design, management factors, humananimal-relationship and herd characteristics on the average number of injuries apparently caused by horns per herd were investigated. In addition, the farmers were interviewed about their experiences and important problems they see concerning husbandry of horned cattle in loose housing systems.
In the experiment a tendency for less agonistic behaviour in a non-crowded waiting area was found (p=0.068), but there were no effects on injuries. No influence of a higher animalfeeding-place-ratio could be detected. A larger deep bedded lying area per cow tended to cause less agonistic interactions, less skin lesions, longer lying durations and shorter standing durations per day (in the barn), followed by a more synchronous behaviour of the herd (p=0.068). Similarly a larger outside yard area per animal tended to lead to less agonistic interactions, less skin lesions and longer durations of stay in the outside yard (p=0.068). During the field study 113 potential preventive factors were recorded. Factor preselection was carried out with univariate analyses (ANOVA) and consequently with multivariate linear regressions with backward selection of the preselected factors clustered according to area of influence. Finally, two different models were calculated with multivariate linear regression and backward selection with all preselected factors excluding factors relating to cubicle design and dimensions in model I and with all preselected factors, but only including farms with cubicle systems in model II. Model I explained R2 = 0.825 of variation in skin lesions and model II had an R2 = 0.882 (p < 0.001). The following preventive factors remained in both models: type of barn, including a clear differentiation between different functional areas; a high number of brushes in the barn; wide walking areas; no obstacles in the walking area; a low number of different personnel; a high proportion of farm-own replacement cows introduced into the herd; few introducings of new cows to the herd during the last six weeks; breed (Fleckvieh); no isolated cases of dehorned animals (single cows) in the herd and explicitly horn shapes with low injurious potential. According to the farmers’ experience most problems are arising in the feeding area.
In conclusion, loose housing with generous dimensions, clearly exceeding common standards in the different areas (waiting area, lying area and outside yard) provide favourable preconditions for horned cow husbandry. In contrast narrow spots, obstacles and limited resources can lead to conflicts between the animals. To prevent agonistic interactions it is important to differentiate between the different functional areas in the barn very well. An animal-feeding-place-ratio of 1:1 with a few reserves seems to be enough. However, it is very important to choose a feeding barrier design which is adequate for horned cattle.
Concerning management, attention has to be turned on the introduction of new cows to the herd. To prevent agonistic behaviour and injuries it is important to introduce as few animals as possible and to introduce farm-own animals rather than strange ones. In addition it is favourable that only one person is taking care of the animals. Another very effective (but only symptomatic) measure to reduce the number of injuries is to change the shape of horns by removing the cone ends of pointed horns.

EPrint Type:Thesis
Keywords:Tierhaltung, Milchkühe, Tiergerechtheit, Laufstall, behornte Kühe, Hörner, Herdenmanagement, Mensch-Tier-Beziehung, Dissertation
Subjects: Animal husbandry > Production systems > Dairy cattle
Animal husbandry > Health and welfare
Research affiliation: Switzerland > FiBL - Research Institute of Organic Agriculture Switzerland > Advisory Service
Germany > University of Kassel > Department of Farm Animal Behaviour and Husbandry
Related Links:http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:34-2011112339751
Deposited By: Schneider, Claudia
ID Code:22215
Deposited On:15 Jan 2013 13:17
Last Modified:17 Jan 2013 09:57
Document Language:German/Deutsch
Status:Published
Refereed:Not peer-reviewed

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