@misc{orgprints968, editor = {Florianne K\"ochlin}, month = {December}, title = {Zukunftsmodell Schweiz - eine Landwirtschaft ohne Gentechnik?}, author = {Thomas Brunner and Karin Nowack and Lucius Tamm and Beatrix Tappeser and Claudia Eckelkamp and Barbara Weber and Florianne K\"ochlin and Benno Vogel}, publisher = {Blauen Institut}, year = {1999}, keywords = {Gentechnik, Nachhaltigkeit, nachhaltig, Kartoffel, Weizen, Mais, Raps, Salat, Reben, Schadorganismen, sozial, Biogene, Gentechnikfreie Produktion }, url = {http://orgprints.org/968/}, abstract = {Wenn die Schweiz darauf verzichtet, genmanipulierte Pflanzen in die Umwelt freizusetzen, so ist dies vor allem auch eine grossartige Marktchance f?r die Schweizer Landwirtschaft. Denn Gentech-food ist out, in ganz Europa. Die Schweiz k?nnte dann das liefern, was eine gro?e Mehrheit gerne m?chte: naturnahe und gentechfreie Lebensmittel. Die Frage ist blo?: Kann sich die Schweizer Landwirtschaft einen Verzicht auf Gentechnik leisten? Dieser Frage ist die Studie "Zukunftsmodell Schweiz - eine Landwirtschaft ohne Gentechnik?" nachgegangen. Untersucht wurden die sechs Kulturen Kartoffeln, Weizen, Mais, Raps, Salat und Reben. Gentechnische L?sungsans?tze und die wichtigen Anbauprobleme der Schweizer Landwirtschaft sind sehr oft nicht deckungsgleich. Die Bek?mpfung der problematischsten Sch?dlinge bei den einzelnen Kulturen steht kaum je auf der Forschungsagenda der Gentechnik. So steht bei der Herstellung transgener Pflanzen die Herbizidresistenz an oberster Stelle. In der Schweiz spielt aber bei den sechs untersuchten Kulturen die Unkrautproblematik nur gerade beim Mais eine gro?e Rolle. F?r viele Probleme der Schweizer Landwirtschaft ? so etwa f?r die Salatwurzellaus oder die Grauf?ule bei Reben, f?r die wichtigsten Rapssch?dlinge Rapserdfloh, Rapsglanzk?fer, Rapsstengelr?ssler und Kohlschottengallm?cke, bei Septoria- und Fusariosen-Schaderregern im Weizenbau, bei der Stengel- und Kolbenf?ule im Maisbau oder bei den verschiedenen Mehltauerregern ? bestehen keine oder erst vage gentechnische Ans?tze. Im Biolandbau und im integrierten Landbau werden Anbauprobleme und Schadorganismen im Gegensatz zur Gentechnik meistens nicht als isolierte Einzelfaktoren bek?mpft. L?sungsans?tze bestehen aus einem umfassenden System vieler verschiedener Ma?nahmen. Dabei spielen die Vorsorge, die Ursachenbehebung, die F?rderung von nat?rlichen Regulationsmechanismen und N?tzlingen eine zentrale Rolle. Zu diesen L?sungs- und Forschungsans?tzen geh?ren unter anderem: gute Anbautechnik (z.B. standortgerechter Anbau, Regulierung des Bestandesklimas, vielseitige Fruchtfolgen, Anbaupausen, ausgewogene D?ngung, F?rderung der Bodenfruchtbarkeit und des krankheitsabwehrenden Potentials des Bodens mit Kompost), (traditionelle) Z?chtung resistenter Sorten (bei der auch genetische Diagnosemethoden Fortschritte bringen k?nnten), Einsatz von umweltvertr?glichen Pestiziden und Antagonisten (das sind R?uber der Sch?dlinge; gegen den Maisz?nsler sind zum Beispiel die Schlupfwespe Trichogramma, sowie Bacillus thuringiensis- oder Beauveria bassiana-Pr?parate bekannt). Prognose- und Fr?hwarnsysteme versprechen weitere Fortschritte in der Regulierung von Schadorganismen: Kenntnisse ?ber die Biologie und Ausbreitung des Sch?dlings, die n?tigen klimatischen Parameter wie Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit werden in mathematische Modelle eingespeist. Daraus l?sst sich das Infektionsrisiko errechnen, so dass m?glichst wenig gespritzt werden muss. In der Schweiz wurden Prognose-Modelle f?r den Rebbau, den Kernobstbau, den Getreidebau und den Kartoffelbau entwickelt. Sortenmischungen geh?ren ebenfalls zu den pr?ventiven Methoden, die in allen Anbausystemen angewendet werden. Die Mischung von verschiedenen Sorten kann insgesamt gegen?ber Krankheitsbefall resistenter sein, da die Sorten unterschiedlich auf Schaderreger und Umweltbedingungen reagieren. Ein vermutlich gro?es Potential liegt in der induzierten Resistenz (Anregung der pflanzeneigenen Abwehrf?higkeit gegen Schaderreger), welche sich noch im Forschungsstadium befindet. Die Abwehrbereitschaft kann nicht nur durch durch einen Krankheitserreger ausgel?st, sondern auch durch Substanzen induziert werden, die diesen Angriff nachahmen. Pflanzen k?nnen sich somit aktiv gegen Krankheitsbefall wehren. Typischerweise zeigt eine induzierte Pflanze Resistenz gegen?ber einer Vielzahl von Pilzen, Bakterien und Viren. Gentechnische Methoden sind nicht nachhaltig. Sie zementieren eine problematische, auf Monokulturen basierende High-input-Landwirtschaft, welche die bekannten Umweltprobleme mitverursacht (Gew?sserverschmutzung, Sch?digung der Bodenfruchtbarkeit und Artenverlust). Die Freisetzung von gentechnischen Organismen birgt zudem viele unberechenbare und langfristige Risiken (Auskreuzung von transgenem Pollen, Resistenzdurchbr?che, Sch?digung von Nicht-Ziel-Organismen, Antibiotika-Resistenzen, unerwartete Positionseffekte, Allergien etc). Unter ?konomischen und sozialen Kriterien der Nachhaltigkeit f?llt ins Gewicht, dass gentechnisch ver?nderte Pflanzen patentiert werden k?nnen, konventionell gez?chtete Pflanzen hingegen nicht. Die durch ein Patent garantierten ausschliesslichen Monopolrechte k?nnen f?r die betroffenen Landwirte und vor allem auch f?r L?nder des S?dens zu einer zunehmenden Abh?ngigkeit und einer Konzentrierung des Saatgut-Weltmarktes auf einige wenige transnationale Life-Science-Konzerne f?hren. Der Biolandbau erf?llt die Forderung der Nachhaltigkeit am besten. Die ?kologischen Vorteile gegen?ber dem konventionellen Landbau wurden mehrfach wissenschaftlich belegt (h?here Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt, weniger R?ckst?nde). Auf der Ebene von Einzelbetrieben zeigen inzwischen mehrere Studien, dass der Biolandbau unter den derzeitigen Rahmenbedingungen eine gute betriebswirtschaftliche Alternative darstellt. Dank starker Diversifizierung der meisten Biobetriebe werden zus?tzliche Arbeitspl?tze geschaffen. Wie diese Studie aufzeigt, liegen trotz vergleichsweise sehr kleinen Mitteln in der Bioforschung f?r die meisten Schl?sselprobleme des Landbaus L?sungen oder L?sungsans?tze vor. Die zahlreichen innovativen und interdisziplin?ren Forschungsans?tze deuten zudem auf ein hohes Probleml?sungspotential hin. Eine konsequente Forschungsf?rderung k?nnte Potentiale erschlie?en, die auch volkswirtschaftlich sehr lohnend sind: eine gro?e Chance f?r die Landwirtschaft und f?r den Forschungsplatz Schweiz. } }