%S Schlussbericht, Juni 2005, Coop Naturaplan-Fonds Biosaatgutprojekt Modul 1.4 %A Christine Arncken %A Hansueli Dierauer %T Hybridsorten im Bio-Getreide? Perspektiven und Akzeptanz der Hybridz?chtung f?r den Bio-Anbau %X Zusammenfassung Der vorliegende Bericht m?chte am Beispiel des Roggens Informationen und Argumente f?r die Diskussion bereitstellen, ob Hybridsorten mit den Prinzipien des biologischen Landbaus vereinbar sind oder nicht. W?hrend sich bei Mais und Gem?se Hybridsorten im biologischen Landbau schon ohne eine grunds?tzliche Entscheidungsfindung eingeb?rgert haben, ist in der Schweiz beim Getreide eine grunds?tzliche Meinungsbildung und Entscheidung noch m?glich. Dies betrifft aktuell vor allem den Roggen. Hybridsorten entstehen aus einer gelenkten Kreuzung zweier verschiedener reinerbiger Zuchtlinien, deren gemeinsame Nachkommen die Eltern im Ertrag ?bertreffen. Sie sind im Nachbau nicht genetisch stabil, das Saatgut muss daher jedes Jahr neu zugekauft werden. Zur Erzeugung von Hybridsorten sind beim Roggen und anderen Fremdbefruchtern drei Schritte notwendig: Erstens die Erstellung von Inzuchtlinien in den verschiedenen Ausgangspopulationen, zweitens Testkreuzungen zwischen den Inzuchtlinien, drittens die Erzeugung der Hybridsorten f?r den Markt durch gelenkte Best?ubung. Hierf?r muss die Selbstbest?ubung der Mutterlinie verhindert werden. Beim Roggen und vielen anderen Pflanzenarten arbeitet man daher mit Mutterlinien, die durch zytoplasmatische Vererbung pollensteril sind. Beim Selbstbefruchter Weizen wird die Pollenausbildung mit chemisch-synthetischen Gametoziden verhindert. Da dies den Richtlinien zur Erzeugung von Bio-Saatgut widerspricht, kommt Hybridweizen gegenw?rtig im biologischen Landbau noch nicht in Frage. Die Hybridz?chtung ist zu Beginn des 20. Jh. in den USA zuerst beim Mais eingef?hrt worden. Durch das Zusammenwirken von neuen Sorten, Mechanisierung und Intensivierung haben sich im Laufe des 20. Jh. die Maisertr?ge in den USA versechsfacht. Gegenw?rtig erzielen Hybridsorten beim Roggen 10-20% h?here Ertr?ge als Populationssorten. In unseren Streifenversuchen 2003/04 beobachteten wir zudem eine bessere Standfestigkeit und eine bessere Auswuchsfestigkeit (Fallzahl) gegen?ber Populationssorten. Eine Beispielrechnung zeigt, dass ein Biobauer in der Schweiz gegenw?rtig mit Hybridroggen ? konservativ gerechnet ? einen Mehrerl?s von ca. 260 bis 400 sFr./ha erreichen kann (vorausgesetzt, der Roggen kann ?berhaupt verkauft werden). Die generellen Vorteile von Hybridsorten gegen?ber Populationssorten bei Fremdbefruchtern wie Roggen und Mais sind: H?here Ertr?ge, Einheitlichkeit, schneller Zuchtfortschritt und ? als Vorteil f?r den Z?chter ? ihre Nicht-Nachbauf?higkeit. An der Hybridz?chtung werden vier Aspekte kritisiert. Erstens: eine Beeintr?chtigung der subtileren inneren Qualit?t durch fortgesetzte Inzucht und pollensterile Mutterlinien im Z?chtungsgang. Zweitens: die Abh?ngigkeit der Bauern von der Saatgutindustrie. Drittens: aus ethischen Gr?nden die Eingriffe in die Bl?hbiologie der Pflanzen und der Bedeutungswandel des Saatgutes vom Kulturgut zum Betriebsmittel. Viertens: die genetische Verarmung durch den Verlust rezessiver Gene und durch die Verwendung des uniformen Pollensterilit?t tragenden Zellplasmas. Alle diese Argumente weisen in die Zukunft. Sie betreffen die Prinzipien des biologischen Landbaus. Besonders in der Qualit?tsfrage besteht grosser Forschungsbedarf. Das Problem der genetischen Verarmung hat bei Fremdbefruchtern (Roggen) mehr Gewicht als bei Selbstbefruchter-Hybriden (Raps, Gerste, in fernerer Zukunft evtl. auch Weizen). Ein Verzicht auf Hybridsorten im Bio-Brotgetreideanbau der Schweiz w?re ein klares Signal an die vor- und nachgelagerten Bereiche (Z?chter/Handel und Konsumenten), dass der biologische Landbau langfristige und zuk?nftige Aspekte der Unabh?ngigkeit, Qualit?t und Vielfalt zu ber?cksichtigen versucht und daf?r auf gegenw?rtige agronomische Vorteile verzichtet. %D 2005 %K Biosaatgut, COOP Biosaatgut, Hybridsorten %I Forschungsinstitut f?r biologischen Landbau (FiBL), CH-5070 Frick %L orgprints5097