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Ökologischer Landbau im Dritten Reich.

Vogt, Dr. Gunter (2000) Ökologischer Landbau im Dritten Reich. [Organic agriculture in the Third Reich.] Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 38 (2), pp. 161-180.

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33Kb

Summary

Das Interesse an der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise beschränkte sich auf einzelne Personen des nationalsozialistischen Regimes: RUDOLF HESS, R. WALTHER DARRÉ, HEINRICH HIMMLER und ALWIN SEIFERT. Sie verfolgten mit ihrem Engagement unterschiedliche Ziele: gesunde Ernährung, bäuerliche Lebensweise, nachhaltige Landbauweise, Beitrag zur nationalen Autarkie, Naturschutz. Das Interesse galt nur eingeschränkt der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise selbst; es wurde vielmehr eine wissenschaftlich fundierte ‘lebensgesetzliche Landbauweise’ angestrebt, die nicht mit anthroposophischem Gedankengut verknüpft ist. Das Engagement für die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise rief innerhalb der nationalsozialistischen Führung Widerspruch hervor: aus Angst vor Ernterückgängen während des Krieges und aus weltanschaulichen Bedenken wegen des anthroposophischen Hintergrundes.
Die Unterstützung der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise durch einzelne Personen der nationalsozialistischen Führung verhinderte bis 1941 ein Verbot ihrer Organisationen. Der Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise ‘erkaufte’ sich die Möglichkeit, unter dem nationalsozialistischen Regime offiziell seine Arbeit fortführen zu können, durch Zugeständnisse: (a) eine Zurücknahme anthroposophischer Inhalte und Ansprüche, d. h. die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise wurde auf eine Palette von Landbaumaßnahmen reduziert, (b) eine teilweise Übernahme nationalsozialistischer Gedankengänge und Schlagwörter sowie (c) eine punktuelle Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Regime. Die Bemühungen, eine Ausbreitung der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise mit Hilfe nationalsozialistischer Kreise zu erreichen, beruhten auf einer Fehleinschätzung; die biologisch-dynamische Arbeit wurde lediglich toleriert, um - bei erfolgreicher Etablierung einer ökologischen Landbaupraxis - (Teil-)Ergebnisse übernehmen zu können.
Einige Autorinnen und Autoren (Bramwell 1985; Wolschke-Bulmahn 1993; Jacobeit 1998) vermuten, deuten an bzw. behaupten, daß zwischen Biologisch-Dynamischer Wirtschaftsweise bzw. ökologischem Landbau und der ‘Blut-und-Boden’ - Ideologie bzw. dem Nationalsozialismus weltanschauliche Gemeinsamkeiten bestünden. Bei den ‘ideologischen Übereinstimmungen’ handelt es jedoch sich nicht um gemeinsame Kernpunkte der Weltanschauungen, sondern um ähnliche Zielsetzungen: eine autarke, nachhaltige Landbauweise. Die ‘Zusammenarbeit’ zwischen beiden Gruppen beruhte in erster Linie auf einer unausgesprochenen Abmachung: Die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise konnte - trotz ihres anthroposophischen Hintergrundes - ihre Arbeit fortführen; im Gegenzug hätten sich nationalsozialistische Kreise - bei sich einstellenden Erfolgen - diejenigen Ergebnisse, die sie als brauchbar erachtet hätten, angeeignet.


EPrint Type:Journal paper
Keywords:biologisch-dynamisch, Anthroposophie, anthroposophisch, Nationalsozialismus, Agrargeschichte
Subjects:"Organics" in general > History of organics
Research affiliation: Germany > Other organizations
Deposited By: Vogt, Dr. Gunter
ID Code:889
Deposited On:11 Nov 2003
Last Modified:12 Apr 2010 07:27
Document Language:German - Deutsch
Status:Published
Refereed:Peer-reviewed and accepted

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