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Evaluation verschiedener Legehennenherkünfte in bezug auf die Erfordernisse ökologischer Haltungsformen

Ökoring Schleswig-Holstein e.V., (2003) Evaluation verschiedener Legehennenherkünfte in bezug auf die Erfordernisse ökologischer Haltungsformen. [Evaluation of different strains of laying hens concerning the requirements of husbandry systems in organic agriculture.] Versuchs- und Beratungsring ökologischer Landbau Schleswig-Holstein e.V.

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Summary

EINFÜHRUNG
These: Für ökologisch produzierende Betriebe stehen bisher keine Legehennenherkünfte zur Verfügung, die den Kriterien einer wirtschaftlichen und artgemäßen Eierproduktion im Ökologischen Landbau gerecht werden.
Die Mitglieder und die Beratung des Ökoring S.H. e.V. formulierten deshalb für sie wichtige Forderungen, um dieses Ziel zu erreichen: Gewünscht wurde eine biologisch aufgezogene, ruhige und robuste Legehenne mit einer Legeleistung von mindestens 290 Eiern pro Jahr, d.h. mit
- einer Legeleistung von 80% auf die Lebendhenne bezogen von der 25 –62 LW
- einem höheren Anteil von Eiern der Klasse M
- einer guten Futterverwertung
- ohne Neigung zu Federpicken und Kannibalismus.
Der in der Liste zuletzt aufgeführte Punkt bereitet in der Praxis große Probleme. Trotz möglichst artgerechter Haltung der Hennen ist dieses Pick-Fehlverhalten auch auf den Biobetrieben bisher häufig zu beobachten. Die Tiere reißen sich gegenseitig Federn aus, mit der Folge von z.T. großflächigen nackten Hautstellen mit Verletzungen. Diese ohne ihr schützendes Federkleid lebenden Hühner halten sich auch bei widrigen Witterungsbedingungen im Freiland auf und werden daraus resultierend häufig krank.
Das Fehlverhalten Federpicken kann sowohl durch mangelhafte Möglichkeiten einer artgemäßen Nahrungssuche, durch „Ernährungsmängel, Besatzdichte und umweltbedingter Aktivität“ verursacht werden, als auch durch unterschiedlich auf ihre Umwelt reagierende Herkünfte. Diese auftretenden Unterschiede zwischen den Linien besitzen eine ausreichende Herabilität für eine züchterische Bearbeitung.
Der Schwerpunkt innerhalb des Versuches wurde deshalb auf das Dokumentieren von Federpickaktivitäten der einzelnen Herkünften gelegt. Die hierzu untersuchten Herkünfte waren allgemein unbekannt, bzw. wenig in der Praxis verbreitet, aber wahrscheinlich zukünftig als Nutzungstiere in größerem Umfang für Legehennenbetriebe käuflich zu erwerben.
Dieser Versuch analysierte, bzw. verbesserte auch fehlerhafte Haltungsbedingungen, insbesondere Ernährungsmängel und Krankheiten, die die Ergebnisse der einzelnen Herkünfte verfälschen konnten.
SCHLUSSFOLGERUNG
Keine der am Versuch beteiligten Herkünfte hat alle Eingangs in der Einleitung formulierten Forderungen erfüllen können. Trotzdem können einzelne Herkünfte der hier untersuchten Tiere eine Alternative zu den bisher verwendeten Hybriden darstellen.
Tetra-SL: Im ersten Versuchsdurchgang mit Problemen seitens der Versuchsdurchführung in der Aufzucht und Fütterung zeigte sie starke Federpicksymptome, im zweiten und dritten Durchgang fielen sie wesentlich geringer aus. Optisch noch keine „Wunschhenne“ in Hinblick auf Befiederung und Hautverletzungen, aber ein erster Schritt zu einer ausgeglicheneren Legehennne. Die Forderung von mindestens 80% Legeleistung auf die LH bezogen wurde außer im dritten Durchgang erreicht, wobei die Tiere in diesem Durchgang an einer nicht selbst verschuldeten Virusinfektion erkrankt waren Die Eiklassenverteilung schwankte je nach Futterinhaltsstoffen zwischen 34% - 55% der Klasse L und zwischen 30% - 49% der Klasse M.
Dekalb gold: Im ersten Versuchsdurchgang etwas geringere Federpicksymptome als die Herkunft Tetra, im zweiten Durchgang vielversprechend geringe Anzeichen, um im dritten Durchgang durch sehr hohe Federpickraten zu enttäuschen. Die Legeleistung war durchweg sehr zufriedenstellend um bzw. über 80% auf die Lebendhenne bezogen, ebenso mit den höchsten Eimassewerten von durchschnittlich 13,9 kg auf die Lebendhenne bezogen zwischen der 25-62 LW. Die Eiklassenverteilung lag im Trend mit 49% - 53% der Klasse L im Vergleich zu der Herkunft Tetra höher. Eier der Klasse M waren in jedem Durchgang konstant mit einem Prozentsatz von 37% vertreten. Diese Herkunft neigte folglich dazu tendenziell größere Eier zu legen. Dies ist bei den jeweiligen Vermarktungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.
Shaver 577: Diese Herkunft wurde aus Aspekten des Tierschutzes nach dem zweiten Versuchsdurchgang von dem Versuch ausgeschlossen. In beiden Durchgängen zeigten die Tiere ausgeprägte Federpicksymptome mit daraus resultierenden fast nackten Hühnern mit vielen blutigen Verletzungen.
Lohmann Experimental: Dieser weißfiedrige Braunleger entstand aus einer Kreuzung zweier Linien White Rock. Sie zeigten eine geringe Uniformität in Hinblick auf das Gewicht und erreichten nicht die gestellte Forderung von 80% Legeleistung in der 25-62 Lebendwoche, wiesen aber einen gewünschten hohen Anteil der Klasse M-Eier (56%-67%) auf. In der Herkunftsprüfung im Tierzuchtzentrum Neu-Ulrichstein zeigte diese Herkunft eine bessere Legeleistung. Interessant ist dies, da sie in allen Durchgängen als einzige Herkunft vollständig befiedert war und nur 20% der beurteilten Tiere kleine Verletzungen im Gefieder aufwiesen. Negativ zu verbuchen war allerdings aufgetretenes Zehenpicken, wenn auch nur vereinzelt. In anderen Herkunftsvergleichen enttäuschte diese Herkunft durch Auftreten von Kannibalismus und vermehrten Kopf- und Rumpfgefiederschäden.
Lohmann Silver: Diese Herkunft ist ebenfalls ein weißer Braunleger, allerdings zeigen die Hennen einige braun melierte Federn auf. Sie fiel als angenehm schwerere Henne durch eine hohe Gewichtsuniformität auf. Allerdings zeigte sie im zweiten Durchgang starke Gefiederschäden, die mit entsprechend hohen Verletzungsraten einhergingen. Durch die frühere Ausstallung im 3. Durchgang war eine Bewertung dieser Herkunft schwierig. Tendenziell war hier jedoch zum Ausstallungszeitpunkt ein besseres Ergebnis zu erwarten. Die Legeleistung lag im 2. Durchgang über 80%, im 3. Durchgang darunter. Diese Herkunft muss, bzw. wird auch auf Praxisbetrieben noch weiter getestet.
Haltungsmanagement in Bezug auf Auftreten von Federpicken:
Fütterung: In diesem Versuch wurden gravierende negative Abweichungen bei diversen gelieferten Futtermischungen von den Soll-Mindestinhaltsstoffen analysiert. Dieser Umstand kann Auslöser für Federpicken und Kannibalismus sein. Deshalb sollten zukünftig aus Sicht des Tierschutzes unangemeldete Kontrollen besonders der von Futtermittellieferanten gelieferten Produkte für Geflügel durchgeführt werden. Betriebe die selbst mischen sollten Analysen der aktuell eingesetzten Futterkomponenten verwenden. Diese Futterinhaltskontrolle wird zusätzliche Kosten verursachen.
Junghennenaufzucht: Schon in der Junghennenaufzucht ist den Tieren eine interessante Umwelt anzubieten, um späterem Auftreten von Federpicken vorzubeugen. Die Rahmenbedingungen wurden aus Erkenntnissen aus dem ersten Durchgang für die folgenden Durchgänge wesentlich verbessert, indem den Tieren ab einem früheren Zeitraum mehr Platz pro Tier insgesamt und Beschäftigungsmaterial angeboten wurde.


EPrint Type:Report
Keywords:Legehennen, Herkünfte, Rassen, Hybridlinien, Legehybriden, Herkunftsvergleich, Geflügelzüchtung, Federpicken, Aufzucht, Junghennen, Fütterung, Praxisversuch
Subjects: Animal husbandry > Production systems > Poultry
Animal husbandry > Health and welfare
Animal husbandry > Breeding and genetics
Research affiliation: Germany > Ökoring - Versuchs- und Beratungsring Schleswig-Holstein
Related Links:http://orgprints.org/00000781/
Deposited By: Daniel, Goetz
ID Code:2047
Deposited On:11 Dec 2003
Last Modified:12 Apr 2010 07:28
Document Language:German - Deutsch
Status:Unpublished
Refereed:Not peer-reviewed
Additional Publishing Information:Projektleitung: Romana Holle

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