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Eine randomisierte Vergleichsstudie zur Verwendung von Homöopathie und internen Zitzenversieglern zum Trockenstellen von Milchkühen.

Maeschli, Ariane; Ivemeyer, Silvia; Notz, Christophe; Walkenhorst, Michael; Heil, Fritz and Klocke, Peter (2011) Eine randomisierte Vergleichsstudie zur Verwendung von Homöopathie und internen Zitzenversieglern zum Trockenstellen von Milchkühen. [A randomized controlled trial on homeopathy and internal teat sealants at drying off in dairy cows.] Paper at: 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Gießen, 15.-18. März 2011.

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Summary

102 Kühe aus 13 Schweizer Biomilchviehbetrieben wurden in die Studie aufgenommen. In den letzten 10 Tagen vor dem Trockenstellen wurden 2 Milchproben von allen 4 Eutervierteln steril entnommen. Abhängig vom bakteriologischen Befund dieser Untersuchung und dem Resultat der klinischen Euteruntersuchung wurden die Kühe eingestuft und zufällig in drei Trockenstell-Behandlungsgruppen eingeteilt.
Kühe mit chronischen Infektionen mit „Major Pathogenen“ (Staphylococcus aureus, Streptococcus uberis, Streptococcus agalactiae und dysgalactiae) wurden von der Studie ausgeschlossen. Im Falle unterschiedlicher mikrobiologischer Diagnosen beider Viertelgemelksproben wurde eine dritte Milchprobe genommen. Bei negativem bakteriologischem Befund in beiden Milchproben wurde nach der Zellzahl (SCC) der zweiten Probe die Einteilung in "normale Sekretion" (SCC <100 000/ ml) oder "erhöhte SCC" (SCC ≥ 100 000/ml) vorgenommen.
Die Kühe wurden wie folgt behandelt: Gruppe ITS: Teat Sealer Orbeseal (PFIZER Inc., Zürich): Applikation von 4g Teat Sealer pro Viertel (n = 36 Kühe mit 144 Vierteln). Gruppe HDT: Für die Gruppe, welche mittels Homöopathie trockengestellt wurde, wurde ein herdenspezifisches Mittel eruiert (n = 32 mit 128 Vierteln). Die Auswahl des Mittels erfolgte aufgrund des Körperbaus, der in der Herde vorherrschenden Krankheiten und der Charaktereigenschaften der Tiere). Dieses sogenannte Herdenkonstitutionsmittel wurde zusammen mit dem homöopathischen Mittel Silicea alle in der 6. Dezimalpotenz (D6) den Tieren eingegeben. Die Verabreichung erfolgte an den 5 letzten Laktationstagen 1x täglich per os. Eine Woche nach dem Trockenstellen wurde der Behandlungszyklus wiederholt. Gruppe U: ist die unbehandelte Kontrollgruppe (n = 34 mit 136 Vierteln).
7 bis 14 Tage nach dem Abkalben wurden Viertelgemelksproben aller Tiere zytobakteriologisch untersucht. Die Befunde wurden in 5 Viertelskategorien eingeteilt: (1) ohne Erregerbefund und SCC < 100.000 Zellen/ml, (2) ohne Erregerbefund und erhöhter SCC mit >100.000 Zellen/ml, (3) infiziert mit Staphylococcus ssp., (4) infiziert mit kuhassoziierten „Major Pathogenen“ (Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae und dysgalactiae) und (5) infiziert mit Umweltkeimen (Streptococcus uberis, Enterokokken, Coliforme Bakterien).
Diejenigen Viertel, die post partum (p.p.) nicht infiziert waren und eine SCC <100'000/ml aufwiesen (Kategorie 1), wurden als abhängige Variable in ein logistisches Regressionsmodell mit schrittweisem Ausschluss nicht-signifikanter Faktoren einbezogen. Die Effekte der Behandlungsgruppe bzw. Befunde der Viertel a.p. wurde auf das Ergebnis der normalen Sekretion p.p. berechnet.
Während den ersten 100 Tage der nachfolgenden Laktation wurden gesamthaft 8 Fälle von klinischer Mastitis beobachtet. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (U: 3%; HDT: 9%; ITS: 11%). Unter Berücksichtigung aller beteiligten Viertel war der Anteil der Viertel mit normaler Sekretion in den Versuchsgruppen p.p. 68% (87 von 128), 70% (101 von 144), und 65% (110 von 136) für die Gruppe HDT, ITS und U (nicht signifikant). Auch in den Zellzahlresultaten der Milchleistungsprüfungen in den drei Monaten nach der Kalbung waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Behandlungsgruppen feststellbar.
Die Ergebnisse des logistischen Regressionsmodells innerhalb der Behandlungsgruppen sind in der Tabelle 1 zu sehen. Ein signifikanter Effekt, Odds Ratio 9,69 (95% CI 2,73 bis 34,47), konnte bei homöopathisch behandelten Kühen, welche <200'000 Zellen/ml in der letzten Milchleistungsprüfung vor dem Trockenstellen aufwiesen, gegenüber Gruppe U festgestellt werden. Die Gruppe ITS zeigt mit einer OR von 3,09 (0,86-11,14) einen nicht-signifikanten Effekt im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle. Ein knapp nicht-signifikanter Effekt (p = 0.055; post hoc Power 31,3%, OR 18,93 [0,94 bis 380,73]) wurde in den Vierteln mit „Minor Pathogenen“ nach ihrer Behandlung mit ITS ermittelt.
Dass ITS Infektionen mit umweltassoziierten Keimen vorbeugen (Huxley et al., 2002), konnte mit dieser Studie nicht bestätigt werden. Es wurden jedoch Tendenzen gefunden, 5% infizierte Viertel nach dem Abkalben in der ITS-Gruppe gegenüber 10% in den anderen Gruppen, welche diese früheren Resultate teilweise bestätigen.
Das Ergebnis, dass die Häufigkeit klinischer Mastitiden p.p. in der Kontrollgruppe am niedrigsten war, rechtfertigt möglicherweise den Verzicht auf jegliche Therapie in Herden mit kleinem Infektionsdruck und gutem Allgemeinzustand. Die Studie zeigt zudem, dass Tiere mit niedrigen Zellzahlen vor dem Trockenstellen (SCC <200’000/ml), wirksam mit einer homöopathischen Prophylaxe geschützt werden können.
Das geprüfte homöopathische Trockenstellkonzept ist in der Lage, bei Tieren mit niedriger Zellzahl einen gegenüber unbehandelten Tieren wirksamen Euterschutz darzustellen. Es kann daher für Biomilchbetriebe ohne grosse Eutergesundheitsprobleme empfohlen werden.

Summary translation

The general use of antibiotics to prevent mastitis in dairy cows is prohibited by organic farming regulations. Internal teat sealers (ITS) have been proposed as an alternative. In this study two drying off supporting measures (ITS and homeopathy) were compared to an untreated control group (U) to assess their protective effects against clinical mastitis and intra-mammary infections during dry period of dairy cows.
102 dairy cows from 13 Swiss organic dairy farms were investigated. Cows were randomly assigned to one of three groups within a herd. In the ITS group 36 cows were treated with the commercial ORBESEAL (Pfizer). In the Homeopathy group (HDT) 32 cows were treated by a herd specific homeopathic formulation.
For ITS, HDT and U (34 cows) the incidence rates for clinical mastitis in the first 100 days post-calving were 11%, 9% and 3%, and the proportion of normally secreting quarters (somatic cell count, SCC, <100,000/ml) 70%, 68%, and 65% respectively. Quarters of cows with SCC <200,000/ml at drying off showed significantly higher normal secretion in HDT group compared to group U.

EPrint Type:Conference paper, poster, etc.
Type of presentation:Paper
Keywords:Mastitits, Milchkuh, Trockenstellen, Teat Sealer, Homöopathie
Subjects: Animal husbandry > Production systems > Dairy cattle
Animal husbandry
Animal husbandry > Health and welfare
Research affiliation: International Conferences > 2011: Scientific Conference on Organic Agriculture
International Conferences > 2011: Scientific Conference on Organic Agriculture > Tier > Tiergesundheit
Related Links:http://www.wissenschaftstagung.de/, http://www.verlag-koester.de/buch.php?id=735&suche=11.%20wissenschaftstagung&fb_id=s
Deposited By: Klocke, Dr. Peter
ID Code:17592
Deposited On:20 Jun 2011 13:00
Last Modified:20 Jun 2011 13:00
Document Language:German - Deutsch
Status:Published
Refereed:Peer-reviewed and accepted
Additional Publishing Information:Dieser Beitrag ist im Tagungsbandes der 11. Wissenschaftstagung erschienen.
Leithold, G.; Becker, K.; Brock, C.; Fischinger, S.; Spiegel, A.-K.; Spory, K.; Wilbois, K.-P. und Williges, U. (Hrsg.) (2011):
Es geht ums Ganze: Forschen im Dialog von Wissenschaft und Praxis
Beiträge zur 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Justus-Liebig-Universität Gießen, 15.-18. März 2011
Band 1: Boden, Pflanze, Umwelt, Lebensmittel und Produktqualität
Band 2: Tierproduktion, Sozioökonomie
Verlag Dr. Köster, Berlin.
Der Tagungsband kann über den Verlag Dr. Köster bezogen werden; siehe: http://verlag-koester.de/buch.php?id=735&fb_id=37

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