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Effizienzanalyse im ökologischen Landbau - Bestandsaufnahme, empirische Analyse und agrarpolitische Schlussfolgerungen

Lakner, Sebastian (2010) Effizienzanalyse im ökologischen Landbau - Bestandsaufnahme, empirische Analyse und agrarpolitische Schlussfolgerungen. PhD thesis, Georg-August Universität Göttingen, Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung. , Göttingen.

[img] PDF (Dissertation Lakner) - Published Version
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3554Kb

Online at: http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/2010/lakner/

Summary

Die Arbeit enthält in Kapitel 1 die Einleitung und die Ableitung der Fragestellung. Es wird zunächst das Umfeld des Sektors in den Jahren 1994 bis 2006 dargestellt. Der Ökolandbau hat sich einerseits am Markt für Lebensmittel gut etabliert und wächst dynamisch. Auch die Umstellungsraten sind positiv, bleiben aber hinter dem Marktwachstum zurück. Durch die verschiedenen Reformschritte der EU Agrarpolitik wird der Ökolandbau immer wieder vor umfassende Herausforderungen gestellt. Auf diese Herausforderungen kann der Ökolandbau mit Hilfe einer erhöhten Effizienz regieren. Es hat in den letzten Jahren eine Reihe von Studien zur Effizienz im Ökolandbau gegeben. Die Studien geben erste Einblicke in die einzelbetriebliche Effizienz von Ökobetrieben, häufig sind sie jedoch nicht auf die speziellen Fragestellungen des Ökolandbaus abgestimmt. So sind nur wenige Studien in der Lage die Effizienz in der Umstellungsphase zu modellieren und auch mögliche regionale Einflussfaktoren werden nicht berücksichtigt. Die vorliegende Arbeit modelliert die technische Effizienz auf ökologischen Futterbau-Betrieben und passt die Modelle den speziellen Erfordernissen der ökologischen Landwirtschaft an.
In Kapitel 2 folgen vier zum Teil bereits publizierte Effizienzanalysen von ökologi-schen Futterbau- und Milchviehbetrieben. Das Modell wurde mit Hilfe einer stochastischen Frontieranalyse (SFA) geschätzt, in das SFA-Modell sind das "Heteroskedastizitäts-Modell" und das "technical effects Modell" das die Einflussfaktoren auf die technische Effizienz schätzt, integriert. Der gewählte Modellrahmen erweist sich als passend für die Analyse, was durch statistische Tests belegt werden kann. Es werden die Elastizitäten der einzelnen Input-Faktoren im Hinblick auf den Output diskutiert. Es zeigt sich, dass neben den "klassischen" Bestimmungsgründen der technischen Effizienz regionale Faktoren einen wichtigen Einfluss auf die technische Effizienz ausüben: Die technische Effizienz ist in den Regionen unterschiedlich ausgeprägt und Agglomerationseffekte beeinflussen die technische Effizienz. Dies deutet darauf hin, dass technologische Spill-Over-Effekte existieren. Die Entwick! lung der technischen Effizienz in der Umstellungsphase zeigt, dass sich die technische Effizienz nach etwa 5 Jahren verbessert, und sich dem Durchschnitt aller Betriebe annähert. Die Futterbau- und Milchvieh-Betriebe haben technologischen Rückschritt zu verkraften. Dies könnte mit geringen Ausgaben des Staates für auf den Ökolandbau zugeschnittene Forschung zusammenhängen.
In Kapitel 3 folgt Analyse der verschiedenen Formen von Marktversagen, die einen Eingriff des Staates zu Gunsten der ökologischen Landwirtschaft eventuell volkswirschaftlich rechtfertigen. Die Formen des Marktversagens sind a.) externe Effekte, b.) Informations-Asymmetrien, c.) Marktversagen am Kapitalmarkt (Infant Industry-Argument) und d.) nicht-rationales Verhalten (meritorische Güter). Um die verschiedenen Formen des Marktversagens einordnen zu können, wird skizziert, welche Ergebnisse ein funktionierender Markt hervorbringen kann und welche Modell-Annahmen dem Funktionieren zu Grunde liegen. Eine sogenannte "first-best" Lösung wird dargestellt, deren Umsetzbarkeit im Umfeld der EU Agrarpolitik allerdings unwahrscheinlich erscheint. Daher erscheint die Diskussion einer pragmatischen "second-best"-Lösung gerechtfertigt.
Die Theorien des Marktversagens werden anschließend erläutert, eine Anwendung der Theorien auf den ökologischen Landbau wird geprüft. Marktversagen aufgrund von externen Effekten ist der wichtigste Grund für einen Eingriff in den Markt für landwirtschaftliche Güter zu Gunsten der ökologischen Landwirtschaft. Dieses Argument wird auch in der politischen Praxis häufig angewandt. Die Gefahr einer adversen Selektion auf Grund von asymmetrisch verteilter Information ist im landwirtschaftlichen Kontext bisher kaum diskutiert worden. Es gibt zahlreiche gute Argumente, die für einen Eingriff des Staates sprechen. Die Gegenargumente sind grundsätzlicher Natur, allerdings kann man je nach politischem Leitbild auch zu einer Bejahung dieser Theorie als Eingriffsgrund kommen. Das Infant Industry-Argument ist für eine Förderung des Ökolandbaus abzulehnen, da die Kriterien einer Infant Industry überwiegend nicht auf den Ökolandbau zutreffen. Die Theorie der meritorischen Güter ist zwar eine der Komplexität der modernen Gesellschaft angemessene Problem-Analyse. Die Voraussetzung eines Eingriffs in den Markt und auch deren Implikationen sind bisher nicht konsistent ausgearbeitet. Daher wird auch die Theorie der meritorischen Güter als Grundlage der Förderung des Ökolandbaus abgelehnt.
Das Kapitel 4 enthält eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie eine Schlussbetrachtung. Es wird eine kritische Würdigung der Ergebnisse der Stochastischen Frontier-Analyse vorgenommen. Die vorliegenden Ergebnisse unterliegen - wie viele andere Untersuchungen - einigen Restriktionen, einige mögliche Schwächen und Einwände im Datensatz werden kritisch diskutiert.
Die Auswahl der Daten sowie deren Aufbereitung wird dargestellt. Es handelt sich um Buchführungsdaten, so dass der Auswahlprozess nicht zufällig sondern funktional ist. Die zeitliche und räumliche Verteilung der Daten ist von dieser Auswahl betroffen. Hierbei zeigt sich, dass der Datensatz die Grundgesamtheit gut abbildet, allerdings enthält der Datensatz keine Beobachtungen aus Schleswig-Holstein und Hessen. Daneben sind besonders kleine und sehr große Betriebe zu wenig repräsentiert, was ebenfalls mit der funktionalen Auswahl zu begründen ist.
Es wird danach gezeigt, dass das Modellergebnis nicht von extremen Beobachtungen ("Outlier") verzerrt wird. Im Weiteren werden das Thema des technologischen Rückschritts, die Annahme der monotonen Produktionsfunktion und die Entwicklung der technischen Effizienz über die Zeit diskutiert. Technologischer Rückschritt könnte neben den erwähnten geringen Ausgaben des Staates für Ökolandbau-spezifische Forschung auch mit Größeneffekten und mit Preiseffekten erklärt werden. Die Annahme einer monotonen Produktionsfunktion wird überwiegend eingehalten. Die technische Effizienz scheint vor allem in den letzten Beobachtungsjahren angestiegen zu sein, allerdings lässt sich kein klarer Trend über den gesamten Zeitraum identifizieren.
Am Ende werden politische Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen. Es wird ein kurzer Blick auf die aktuellen Modelle in der stochastischen Effizienzanalyse geworfen. Schließlich wird zukünftiger Forschungsbedarf in der Effizienzanalyse im Ökolandbau skizziert, der vor allem im Hinblick auf Umwelteffizienz besteht.

Summary translation

The following dissertation has the topic "Efficiency analysis in organic farming - status, empirical analysis and political conclusions".
The dissertation begins in chapter 1 with an introduction to the topic and a deduction of the main research questions. The environment of the sector in the years 1994 to 2006 has been ambiguous: Organic market has gone through a dynamic and substantial growth. Also the share of converting farms is significant but below the growth rate on the market side. The different reforms steps in the EU‚s Common Agricultural Policy (CAP) were challenging for many organic farms in many respects. Organic farms can react on these developments by means of an increased efficiency. During the last decade there have been some studies on the efficiency in organic farming. These studies give a first introduction of the efficiency of organic farms, but often they are not addressing the special problems of organic farming systems. Only a few studies can address the development of efficiency in the conversion period of organic farms. Also regional determinants of technical efficiency are not included in most of the models. This paper models the technical efficiency of organic grassland farms and adapts the models that address some of the specific problems of organic farming systems.
The chapter 2 follows with four empirical applications of the efficiency analysis of organic grassland and milk farms. The models are estimated using a stochastic frontier analysis (SFA). The "heteroscedastic model"‚ and the "technical effects models"‚ are added into the model-framework in order to take account the size effects and to estimate the influence of potential determinants of technical efficiency. The selected model framework proves to be suitable for the analysis, which is shown by different statistical tests. The elasticities of the inputs with respect to output are discussed. Besides the "traditional" determinants, the regional factors exert an important influence on of technical efficiency: Technical efficiency is different depending on the respective region and agglomeration affects the efficiency of the single farms. This suggests that there are technological spillover effects. The development of technical efficiency in the conversion period shows that efficiency is improving after 5 years and finally reaching the average performance of all farms after 6-11 years. The grassland and dairy farms have to cope with technological regress. This might be explained by low expenditure of the government for research and development specially addressed to organic farming.
The chapter 3 is concentrated on an analysis of the various forms of market failure, which might justify government intervention in favor of organic farming from an economic point of view. The forms of market failure are a.) Externalities, b.) Information asymmetries, c.) Market failure on the capital market (the "infant industry argument") and d.) Non rational behavior ("merit goods"). In order to classify the various forms of market failure, the results of a functioning market and the model assumption underlying the neoclassical model are described. The so called "first best" solution is presented, their feasibility in the context of EU"s Common Agricultural Policy (CAP), however, seems to be unlikely. Therefore, a "second best"-solution seems to be more realistic.
The different theories and forms of market failure with respect to organic farming are explained. Market failure due to externalities still seems to be the most important argument for state intervention in agricultural markets in favor of organic farming. This argument is also often applied in political practice. The risk of adverse selection processes due to asymmetric information has been rarely discussed in the agricultural context. There seems to be some good arguments in favor of a state intervention. However, the arguments against state intervention are of more general nature. Therefore a state intervention can be justified by this theory depending from the individual political point of view. The infant industry argument is rejected for supporting organic farming in specific, since the criteria of an "infant industry" do not completely apply on organic farming. The theory of merit goods takes into account the complexity of modern societies providing a solution for non rational behavior. Nevertheless, the preconditions for a state intervention are not consistently defined; therefore the "merit goods" argument does not seem to justify a state intervention in favor of organic farming.
Chapter 4 contains a summary of the main results of the dissertation and summary and conclusions. A critical assessment of the results of the stochastic frontier analysis is conducted. The results are - like in many other studies - subject to some restrictions. Problems and potential weaknesses mainly in the dataset are discussed. The selection and treatment of the data are presented in detail. The dataset consists of accounting data therefore the selection process is not strictly random but also due to function (tax-declaration). The temporal and spatial distribution of the data-set is affected by the functional selection. The overall population of organic farms in Germany is represented by the data-set; nevertheless, organic farms in Schleswig-Holstein and Hessen are underrepresented. In addition very small and very large farms are underrepresented, which can be explained by the function of the data-set.
It can be shown that the model results are hardly distorted by extreme values ("outlier"). The issues of technological regress, the adaption of the monotonistic production function and the development of technical efficiency over time are discussed in detail. Some of the technological regress can be explained by the low expenditure of the government for research and development addressed to organic farming. Also some size and price effects might play a role. The assumption of a monotonistic production function is only violated in a few cases. The technical efficiency seems to be increasing during the last three years in the data set, but no clear trend over the whole period could be identified. At the end in of the dissertation policy conclusions are drawn from the results. Some of the recent developments in stochastic frontier analysis are shortly described. Finally, future research questions and topics with respect to organic farming are outlined. One of the main research questions, however, seems to deal with the topic of environmental efficiency.

EPrint Type:Thesis
Keywords:Effizienzanalyse, Stochastische Frontier Analyse, Ökologische Landwirtschaft, Agrarpolitik
Subjects: Farming Systems > Farm economics
Research affiliation: Germany > University of Göttingen > Agricultural Business Management
Deposited By: Lakner, Dr. Sebastian
ID Code:16911
Deposited On:25 Mar 2010 11:04
Last Modified:12 Aug 2010 11:17
Document Language:German - Deutsch
Status:Published

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